„Auf diese Steine können Sie bauen…“

Werbespots aus der Jugendzeit

Wenn ich sage: „Wer wird denn gleich in die Luft gehen…“ – an wen denken Sie dann? Natürlich an das HB-Männchen. Und worin baden Sie gerade ihre Hände? In Palmolive. Und wenn ich Ihnen vorsinge: „Auf diese Steine können Sie bauen…“ – wie würden Sie dann weitersingen? Natürlich Schwäbisch-Hall!

(Hier finden Sie übrigens einen Werbespot zum HB-Männchen.
Hier ist die Palmolive-Werbung.
Und hier können Sie bei der Schwäbisch-Hall-Werbung mitsingen.)

Nicht, dass ich Sie – zumindest während der Messe – etwas zum Rauchen anbieten möchte, oder Ihnen eine Maniküre im Geschirrspülmittel anbieten möchte, geschweige denn über Sinn und Unsinn eines Bausparvertrages zu Ihnen sprechen möchte – aber über die Steine, auf die Sie ihr Lebenshaus gebaut haben, da möchte ich ran.

Die Weisheit hat ihr Haus gebaut… – und Sie?

Der erste Satz aus der ersten Lesung, um den soll es gehen: „Die Weisheit hat ihr Haus gebaut, ihre sieben Säulen hat sie behauen.“Stellen Sie sich das einmal bildlich vor, gerne dürfen Sie die Augen dazu schließen. Die Weisheit Gottes als Person – wie sieht sie aus, welches Bild haben Sie da vor Augen? Und die baut ihr Haus, hämmert und meißelt sie, schrubbt sie an den sieben Säulen? Wie sieht das Haus aus?

Lassen Sie die Augen ruhig geschlossen und sehen Sie sich zu, wie Sie an Ihrem Lebenshaus bauen. Nicht die Wohnung am Krefelder Wall oder in der Kempener Straße. Es geht um das innere Haus das Ihnen Schutz, Halt, innere Heimat schenkt – oder Geborgenheit, Sicherheit, Wohlergehen.

Welche Säulen sind da „tragende Säulen“? Können Sie sie benennen, beim Namen, in ihrer Bedeutung? Schauen Sie sich nur einen Moment zu, wie Sie an den tragenden Säulen Ihres Lebenshauses werkeln.

Die sieben Säulen – bei Jakobus

Ein schönes Beispiel, wie im Neuen Testament das Alte Testament, im Neuen Bund der Alte Bund aufgegriffen wird, ist im Jakobusbrief zu finden. Jakobus, wie man den Autoren nennt, scheint die gleiche geistliche Übung gemacht zu haben, er hat der Weisheit beim Hausbau zugeschaut. In Jak 3,17 beschreibt der Autor diese sieben Säulen und gibt ihnen Namen: „Die Weisheit von oben ist ersten heilig, sodann friedlich, freundlich, gehorsam, voll Erbarmen und reich an guten Früchten, sie ist unparteiisch, sie heuchelt nicht.“

Die Säulen der Weisheit zu meinen Säulen machen

Jetzt schaue ich mir diese Säulen des Hauses der Weisheit an, ob Sie etwas Verlockendes haben, ob sie Teil meines Lebenshauses sind, oder ob ich vielleicht ein wenig umbauen muss. Nicht alle sieben, das wäre für die predigt zu viel, aber drei suche ich mir aus.

„Die Weisheit von oben ist erstens heilig“– damit geht es los. Im griechischen Original steht das Wort άγγή- das heißt übersetzt „lauter“, „rein“. Auf einer Skala von 1-10: Wie steht es um die Lauterkeit in meinem Lebenshaus? Sind meine Absichten rein, meine Weise, den Menschen und mir selbst zu begegnen? Bin ich in meinem Denken, Tun, Handeln transparent, oder, fromm gefragt, kommt da Christus durch, der Christus, der in meinem Lebenshaus wohnt? Bin ich getragen in einem und durch ein lauteres Leben, oder tragen mich Schattensäulen, ein Leben hinter, neben dem Leben? Wie sieht es aus?

„… sodann ist sie friedlich, freundlich“.Wieder die Skala von 1-10: Wie steht es um meine Friedfertigkeit, um meine Freundlichkeit, wieder mir selbst und denen, die mir begegnen gegenüber? Und wieder fromm gesagt: kommt da Christus durch, der Christus, der in meinem lebenshaus wohnt? Was fördert diese Friedfertigkeit und diese Freundlichkeit was bedroht, was behindert sie? Trägt mich meine Friedfertigkeit, meine Freundlichkeit – oder ist Sie nur Fassade, so etwas wie ein „fishing for compliments“ oder eine Methode, um auf der Karriereleiter, welcher auch immer, nach oben zu fallen?

„Sie, die Weisheit, ist gehorsam.“– Was für ein Wort! Da zuckt alles in mir zusammen. Ich versuche es gut zu deuten, bevor ich die 1-10-Skala anschaue. Gehorsam, das verstehe ich als ein Ja zu dem, was ist. Oder umgekehrt: eine Skepsis gegenüber all dessen, was ich gerne hätte. Auf der Skala von 1-10: Wie steht es um meine Bereitschaft, das anzunehmen, was ist, was auf mich zukommt – und es wach und im Geiste Christi, der in einem Lebenshaus wohnt, anzunehmen und zu gestalten? So zu gestalten – jetzt kommen die anderen Säulen gleich mit ins Spiel -, dass es in Barmherzigkeit mir und den anderen gegenüber geschieht, dass es fruchtbringend ist, ausgewogen und nicht parteiisch, ungeheuchelt und echt.

Wenn nötig – mein Lebenshaus umbauen (lassen)

Dieses Nachdenken geschieht hier in der Eucharistiefeier. Das wäre ein schönes Bild für den Kommunionempfang, für den Segen – ich nehme den Baumeister, der mein Lebenshaus umbauen will, ganz in mein Leben auf, und ich lasse ihn wirken. Und das wäre die Idee für den Kaffee nach dem Sonntagsessen – das Gespräch darüber, auf welchen Säulen Sie Ihr Lebenshaus gebaut haben, ob es so – auf der Skala von 1-10 – Bestand hat, oder ob es ein wenig Umbau gebrauchen kann: „Die Weisheit von oben ist ersten heilig, sodann friedlich, freundlich, gehorsam, voll Erbarmen und reich an guten Früchten, sie ist unparteiisch, sie heuchelt nicht.“

Ich wünsche Ihnen einen guten Appetit, nachher.

Amen.

Köln, 19.08.2018
Harald Klein

 

1 Kommentar zu »„Auf diese Steine können Sie bauen…“«

  1. Harald Klein sagt:

    Am Sonntag, bald nach der Messe, hatten wir Leitungstreffen der GCL. Beate, unsere Sprecherin, brachte einen Text aus dem Sufismus mit, der die Gedanken zu „Die Weisheit hat ihr Haus gebaut“ sehr schön illustrierte und den ich anhängen möchte:

    Das Gasthaus

    Jeden Morgen ein neuer Gast.
    Eine Freude, ein Kummer, eine Gemeinheit,
    ein kurzer Moment der Achtsamkeit kommt
    als ein unerwarteter Besucher.

    Heiße sie alle willkommen und bewirte sie!
    Selbst wenn sie eine Schar von Sorgen sind,
    die mit Gewalt aus deinem Haus
    die Möbel fegen,
    auch dann behandle jeden Gastwürdig.
    Es mag sein, dass er dich ausräumt
    für ganz neue Wonnen.

    Dem dunklen Gedanken, der Scham, der Bosheit –
    begegne ihnen lächelnd an der Tür
    und lade sie ein.

    Sei dankbar für jeden, wer es auch sei,
    denn ein jeder ist geschickt,
    als ein Führer aus einer anderen Welt.

    Rumi (1207-1273), Meister des Sufismus und Gründer des Ordens der Derwische
    (Quelle unbekannt)

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