Beten – Gott am Werk!

Man, walking on the earth

In den „Gebetshilfen aus der Schrift“ steht der Impuls, mit Christus durch die eigene Stadt zu gehen. Die Bildmeditation auf der Umschlaginnenseite zeigt den „Man walkig to the sky“, den Himmelsstürmer. Für einen Abend in der Gruppe seien beide Impulse aufgegriffen: mit Christus zusammen Gott selbst am Werk zu sehen – mitten im Alltag der Einzelnen, und – jetzt das Bild umgekehrt – diesen Gott vom Himmel herabkommend sehen, als „Man walking to the earth“, als Mensch gewordenen Gott, der Wohnung nimmt im Leben eines jeden, der ihn einlässt, der sich der Menschen – auch meiner – bedient, um sich selbst den Menschen nahe zu bringen.

Gemeinsamer Beginn:

Mit dem gemeinsamen Beginn soll der Übergang geschaffen werden vom umtriebigen Ankommen, Begrüßen und Platz finden zur Ausrichtung auf die gemeinsame Mitte, auf Christus und seine Gegenwart hin. Da mag es Gruppenrituale geben, eine Kerze, eine Ikone, ein wiederkehrendes Lied. Für den hier vorgelegten Inhalt bietet sich ein ostkirchlicher Liedruf an:

Öffne meine Ohren, heiliger Geist,
damit ich deine Botschaft höre.
Öffne meine Augen heiliger Geist,
damit ich die Schönheit deiner Schöpfung sehe.
Öffne meinen Geist, heiliger Geist,
damit ich deine Botschaft glaube. Öffne meine Hände, heiliger Geist, damit ich deine Hilfe fasse.
Öffne mein Gemüt, heiliger Geist, damit ich deine Nähe liebe.
Öffne mein Herz, heiliger Geist, damit ich deine Liebe spüre.

Ankommrunde

In der Ankommrunde können die verschiedenen Gefühlslagen angesprochen werden, gleichzeitig soll der heutige Tag, soll die Weise, in der jeder und jede jetzt da ist, zu Wort kommen. Es kann helfen, einen Zeitraum zu vereinbaren (den vergangenen Tag, die Zeit zurück bis zum letzten Treffen), aus dem heraus in einer Zeit der Stille die Teilnehmenden sich drei Fragen stellen, die gefundenen Antworten „verkosten“ oder „schmecken“ und dann mitteilen können:

  • was hat mich mit Freude und Dank erfüllt?
  • worüber bin ich traurig?
  • wo spüre ich Ohnmacht?

Impuls für den Austausch

Die erste Begegnung Jesu mit den ersten Jüngern, die erste Antwort an die, die ihn ansprechen, ist: „Kommt und seht!“ (Joh 1,39). Nach Gott fragen, wissen wollen, wo er denn Wohnung genommen habe, kann mit dieser Aufforderung beantwortet werde: „Kommt und seht!“

In der „Betrachtung zur Erlangung der Liebe“ (EB 230-237) lässt Ignatius den Beter Gott anschauen wie einen, der sich „um meinet Willen“ wie ein Arbeiter verhält, wie „einer, der mühselige Arbeit verrichtet“. Seine Weise des Arbeitens ist, dass er „Dasein gibt und erhält, Wachstum und sinnliches Leben verleiht usf.“, sagt Ignatius.

Der erste Impuls für den Austausch könnte sein, mit einem solchen Blick auf den Alltag zu schauen, auf das, was Grund zur Freude und Dankbarkeit ist, aber auch Grund zur Traurigkeit, sogar Grund der Ohnmacht. In allem ist Gott am Werk – jetzt mit den ersten Jün- gern kommen und sehen – bis ich ihn erahne, vielleicht sogar erkenne! Gott im Alltag, in meiner „Stadt“ erahnen: In welchen Geschöpfen, in welchem Geschaffenen ist Gott um meinetwillen am Werk? Und: wie ist er am Werk?

Ein zweite Impulse gilt jetzt dem „Zurückbesinnen auf mich selbst“, wie Ignatius schreibt. Zurückbesinnen in der Weise, dass Gott nicht für mich, sondern durch mich am Werk sein will.

Die beiden Texte „Prinzip und Fundament“ und die „Betrachtung zur Erlangung der Liebe“ – in der Download-Version mit abgedruckt – umrahmen die vier Wochen der Geistlichen Übungen. Die Betrachtung zur Erlangung der Liebe spricht von Gott als dem, der für mich am Werk ist; das Prinzip und Fundament hat als Zielpunkt die Wahl dessen, was dahin führt, dass Gott sein Le- ben in mir vertiefen kann – um durch mich am Werk zu sein.

Aus diesen beiden Betrachtungen aus dem Exerzitienbuch ergeben sich die beiden „Pole“ des Impulses für den Austausch:

– Gott ist am Werk – für mich: halte ich dem Gedanken stand, wer oder was zeigt sich mir? Welchen „Geschmack“ hat das, was sich da zeigt, wenn ich dabei verweile?

– Gott ist am Werk – durch mich: wer oder was zeigt sich mir? Welchen „Geschmack“ hat das, was sich da zeigt, wenn ich dabei verweile?

Es muss nicht viel sein, was von Jedem und Jeder ins Wort und in den Austausch gebracht wird. Der Blick soll nicht in die Weite, son- dern in die Tiefe gehen; und es geht nicht um ein Nippen, sondern um ein Verkosten dessen, was sich zeigt. Nicht das Vielwissen sät- tigt die Seele, sondern das Verspüren der Dinge von innen her“, sagt Ignatius (EB 22).

Von allen hören und allen mitteilen, wo Gott für den Einzelnen am Werk ist – und welchen Geschmack das hat. Und dann von allen hören und allen mitteilen, wo Gott wohl durch den Einzelnen am Werk sein will – und welchen Geschmack das hat.

Betender Abschluss

Das Treffen der Gruppen kann mit einem gemeinsamen Dank- und Bittgebet abgeschlossen werden. Danken für das, in dem Gott für den Einzelnen am Werk ist; und für die, in denen Gott dem Einzelnen nahe ist. Und bitten, dass Gott sein Leben in mir vertiefen kann – um durch mich der Schöpfung und dem Geschöpf nahe zu sein.

Im Lied 941 aus dem Kölner Anhang des Gotteslobes – in vielen andern Bistümern im „Anhang“ bewahrt – kommt dieser doppelte Blick auf „Gott am Werk“ gut zur Geltung: „Lasst uns auf seine Hände schauen“ – Gott ist für mich am Werk; und „an seinem Reiche mutig baun“ – Gott ist durch mich am Werk.

Es ist ein guter Brauch in unserer Gemeinschaft, das Gebet des Einzelnen zum Gebet aller werden zu lassen: ein Dank endet mit „Herr, ich danke Dir“, und alle wiederholen: „Herr, wir danken Dir.“ Und eine Bitte endet mit „Herr, ich bitte Dich“, und alle wiederholen: „Herr, wir bitten Dich.“

Madeleine Delbrêl, die in diesem Jahr noch öfter im Werkheft erscheinen wird, gibt dem „Gott am Werk“, dem „mit Christus durch die Stadt“ einen eigenen Segen mit. „In der Armut eines banalen Lebens“ erscheint Gott am Werk, für mich, durch mich. Doch nur die werden ihn am Werk sehen, nur in denen kann Gott sein Leben vertiefen, die innehalten, die nicht nach dem „Mehr“ in der Weite, sondern nach dem „Mehr“ in der Tiefe schauen. Dazu soll die Gruppe dienen.

Kurze Auswertung

Hier mag ein kleiner Auszug aus der „Werkmappe“ der GCL genügen:

Der Rückblick auf das Treffen kann sich in drei Bereiche unterteilen:

  • Wie erging es dem einzelnen Gruppenmitglied mit dem ganzen Verlauf des Treffens einschließlich der gewählten Methode, mit der das Thema bearbeitet wurde?
  • Welcher Aspekt des Themas wurde persönlich wichtig oder verlor evtl. an Bedeutung?
  • Wurde etwas für die gesamte Gruppe und ihren Weg wichtig?

Nach einer Zeit des Nachspürens und Wahrnehmens spricht jeder/ jede das persönlich Wichtige aus. Das geschieht in einer Anhörrun- de, bei dem jeder/jede in wenigen Sätzen und in kurzer Zeit (ca. 2 min) nennen kann, was aufgeleuchtet ist. An dieser Stelle ist auch ein kurzes Feedback an den Leiter/die Leiterin des Treffens möglich.

Harald Klein; Köln
Michaela Kremer, Köln

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