Hl. Bonifatius – oder: Mission von innen nach außen

Ein Missionar mit sehr viel Kraft

Bonifatius, aus England stammender Missionar im 7. Jahrhundert, kam in den ersten Jahren des 8. Jahrhunderts zum ersten Mal nach Germanien; er reiste dreimal nach Rom – allein das ist ein Wunderwerk, nicht nur, dass es keine Züge oder Flugzeuge gab, es gab noch nicht einmal befestigte Wege etwa von Fulda nach Rom. In Bayern, Hessen, Thüringen organisiert er Bistümer über Synoden, errichtet Klöster als Zentren der Missionsarbeit, die immer auch Kulturarbeit war. Ein echtes Arbeitstier.

Mission von innen nach außen

Sie haben das Bild der konzentrischen Kreise vor Augen, die entstehen, wenn man einen Stein ins Wasser wirft. Was meinen Sie? Geht „Mission“ von innen nach außen – oder von außen nach innen?

Die Apostelgeschichte und der Weg des Paulus gehen auch in diesem Bild vor: Zuerst Mission in Damaskus und Jerusalem, dann bei den Heiden in Athen und schließlich im Weltzentrum Rom. Von innen nach außen geht sein Weg.

In der Zeit des Bonifatius ist Mission klar ein Weg von innen nach außen. Einem Koster als kleiner Junge „geschenkt“, in stetiger Übereinkunft mit der römischen Lehre, will Bonifatius das, was ihn erfüllt, aus seinem „Innen“ denen da draußen, den Friesen zuerst, bringen. Er durfte dort, Wunders genug, in aller Freiheit predigen. Aber die Friesen wollten seine Botschaft, seinen Glauben nicht. Und weil ihm weder Militärmacht noch politische Unterstützung fehlte, war seine erste Mission „erfolglos“ und trug keine „Frucht“. So ist das mit Missionen, die von innen nach außen gehen – man sollte sich erst einmal erkundigen, ob der oder die andere auch hören will, was man zu sagen hat, ob es das Gegenüber wirklich interessiert, was dem Bonifatius und den in seiner Nachfolge Stehenden das Herz erfüllt.

Mission von außen nach innen

Um im Bild der konzentrischen Kreise zu bleiben: Mission kann dann erfolgreicher und fruchtbarer sein, wenn man eben außen beginnt, das Evangelium nach Johannes spricht dabei von der „Welt“. Die kommt schlecht weg, und Johannes will unbedingt bei Christus ansetzen; er nennt die Apostel Freunde, wenn sie tun, was er ihnen aufträgt. Die Folge: Wir wälzen die Schrift, die Katechismen durch und suchen Gebote und Verbote, die wir mit Christus zusammenbringen können.

Ich halte das für unsinnig und wenig Frucht bringend. Für eine Spiritualität für Soziale Berufe wäre es hilfreicher, sich die Welt, sich das Außen anzuschauen und in einer guten Weise spirituell, ja sogar betend das zu erahnen und zu erspüren, was in genau dieser Situation der Auftrag Jesu sein könnte. Und dann kann es gelingen, dass Sie im Modell der konzentrischen Kreise das, was „außen“ ist, in Ihr tiefstes „Inneres“ bringen, wo Christus wohnt. Das wäre „Mission von außen nach innen“: Sie haben die Sendung, die Welt, in der Sie leben und wirken, mit Christus in Verbindung zu bringen, sie so zu deuten und so zu gestalten. Dafür brauchen Sie weder militärische Hilfe noch politische Unterstützung, wie sie bei jeder Form religiöser oder politischer Mission von innen nach außen nötig sind. Dazu brauchen Sie ein Herz, das Raum hat für Christus, Augen und Ohren, mit denen Sie die Welt wahrnehmen können, und Hände, die sie zum einen den Menschen reichen, und mit denen sie zum anderen an dem Bild von Welt bauen, das Sie gemeinsam mit den Menschen um sie herum als lebens- und liebenswürdig erahnen.

Ich glaube, so kann Mission gehen.

Amen.

Köln, 05.06.2020
Harald Klein

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