Ignatius meets Benedikt

Benedikt und Ignatius – mehr als 1000 Jahre Unterschied

Der 21. März 547 wird als Todesdatum des hl. Benedikt genannt, der in Monte Cassino starb. Genau 1009 Jahre, 4 Monate und 10 Tage später, am 31. Juli 1556 starb Ignatius von Loyola in Rom. Runden wir es einmal ab auf 1000 Jahre – da liegt viel Zeit zwischen den beiden.

Und doch gefällt mir der Gedanke, dass Ignatius bei Benedikt auf Monte Cassino einmal vorbeikommt, anklopft, und dass die beiden miteinander ins Gespräch kommen. Da wäre ich gerne „Mäuschen“ gewesen. Und ich stelle mir im Blick auf die beiden vor, was sie sich zu sagen hätten.

Ignatius – der Wortführer im Disput

Vermutlich hätte Ignatius das Wort geführt – und er hätte, gut ignatianisch, drei „Punctae“ gesucht, die ihn – auch gut ignatianisch –mit Benedikt verbinden, natürlich „bei aller Unterscheidung“ und natürlich „in aller Freiheit“.

Vermutlich hätte Ignatius auch die „Regula Benedicti“ vorher gut studiert, und aus ihr hätte er Gemeinsamkeiten suchen können, etwas, das in seinen „Geistlichen Übungen“ auch, wenn auch vielleicht mit anderer Betonung, eine Rolle spielt.

Wie viel gäbe es zu besprechen, zu erwägen. Und doch: Ich glaube, es hätte Ignatius genügt, sich mit nur einem Kapitel aus der Regel mit Benedikt zu unterhalten. Gut könnte er das 43. Kapitel ausgewählt haben:

Hört man das Zeichen zum Gottesdienst, lege man sofort alles aus der Hand und komme in größter Eile herbei, allerdings mit Ernst, um nicht Anlass zu Albernheiten zu geben. Dem Gottesdienst soll nichts vorgezogen werden.“

Das „Hören“ – „Was hörst Du, Benedikt?“

Ignatius hätte sicher einen Disput in drei Punkten daraus gemacht. Und zuerst hätte er seine Freude an dem „Hören“ dem Benedikt mitgeteilt. Gott suchen, hinter seiner Offenbarung in der Schrift wie in der Schöpfung her sein – dazu nutzt Ignatius schließlich alle Sinne. Und ich bin mir sicher, dass er einen ersten Disput mit Benedikt etwa so begonnen hätte: „Geht es Dir, Benedikt, um das Hören auf die Glocken, die zum Gebet rufen? Oder hörst Du, Benedikt, auch den Anruf der Menschen, die Gott suchen, die das Leben, vielleicht sogar das Lebensnotwendige suchen? Worauf hörst Du, oder anders: Was hörst Du, dass Dir ein ‚Zeichen zum Gottesdienst‘ ist?“ Ich überlasse es Ihnen, sich Benedikts Antwort vorzustellen.

Der „Gottesdienst“ – „Was meint ‚Gottesdienst‘, Benedikt?“

Und ein Zweites zu Disputierendes schließt sich aus demselben Vers an: umgekehrt könnte Ignatius den Benedikt fragen, was denn für ihn der „Gottesdienst“ sei. Gleich 13 Kapitel der Regel geben dem gemeinsamen Gebet, der Psalmenordnung, der Haltung und der Ehrfurcht im Gebet eine Ordnung. Zugegeben, wenn Benedikt zurückfragte, wie das bei Ignatius ausschaut – da kann er nicht mithalten, oder er kann auf einen anderen Geist des Gebetes verweisen, so würde er es wohl machen. Aber die Frage bleibt: „Benedikt, was heißt für Dich ‚Gottesdienst‘? Was ist der ‚Gottesdienst‘, dem nichts vorzuziehen ist? Hier geht es auseinander – und doch finden im Dienst des Gebetes und im Dienst des Apostolates beide ihre tiefe Verwurzelung in Gott. Musikalisch ausgedrückt gibt es einen Grundton, das Lob Gottes, eine erste Stufe des Dreiklangs, das Gebet, eine zweite Stufe, das Apostolat, und dann die Oktav, das „contempaltio in actione“. Benedikt und Ignatius, Benediktinisches und Ignatianisches, das klingt gemeinsam harmonisch und rund!

Das „aus-der-Hand-legen“ – „Gibst Du Dich aus der Hand, Benedikt?“

Und dann der dritte Disput: „Hört man das Zeichen zum Gottesdienst vernommen wird, lege man sofort alles aus der Hand um komme in größter Eile herbei, allerdings mit Ernst, um nicht Anlass zu Albernheiten zu geben.“ Da würde Ignatius den Benedikt sicher fragen, was er denn mit „aus der Hand legen“ meine. Die Gartenschere vielleicht, oder die Gewürze beim Kochen, den Gesprächsfaden im Begleitgespräch oder die Zweisprache des Oberen, der Oberin mit einem Bruder, einer Schwester? Ich kann mir den „Vater Ignatius“ vorstellen, wie er anspornt zu einem „Mehr“, einem „Magis“. Von Gleichmütigkeit, von Indifferenz in der Arbeit und in den Begegnungen würde er sicher sprechen. „Kann es nicht sein, lieber Benedikt,“ höre ich ihn sagen, „dass der Gottesdienst Dein ganzes Leben und Handeln meint? Und dass Du Dich selbst im Leben, das selbst ein ‚Gottesdienst‘ sein will, aus deiner eigenen Hand geben musst, in Gottes Hand dich übergeben musst, in größter Eile, nach Prüfung allemal, aber in großer Bereitschaft?“ „Freimütig“ nennt Ignatius das. Und dass das geschehen soll in einer Form, die von den eigenen Brüdern und Schwestern verstanden wird, und von denen, die Dich sehen – es soll in froher Weise geschehen, aber nicht albern erscheinen. Ich bin sicher, Benedikt würde nicht widersprechen, oder?

Zwei Gebete zum Abschied

Und beim Abschied würden sich beide ein Gebet schenken. Ignatius schenkt sein „Suscipe“: „Nimm hin, Herr, und empfange meine ganze Freiheit, mein Gedächtnis, meinen Verstand und meinen ganzen Willen, meine Habe und meinen Besitz. Du hast es mir gegeben, Dir, Herr, gebe ich es zurück. Alles ist Dein, verfüge nach Deinem ganzen Willen. Gib mir Deine Liebe und Gnade, das ist mir genug.“

Und Benedikt würde Ignatius sein Gebet schenken. Da sind jetzt Sie gefragt – welches Gebet mag Benedikt dem Ignatius mit auf den Heimweg geben? Ich kenne nur dieses eine: „Verleih mir, gütiger und heiliger Vater, in Deiner Huld einen Verstand, der Dich versteht; einen Sinn, der Dich wahrnimmt; einen Eifer, der dich sucht; ein Herz, das Dich liebt; ein Tun, das dich verherrlicht, eine Geduld, die auf Dich harrt. Gib mir Deine heilige Gegenwart, einen guten Tod und eine glückliche Auferstehung im Ewigen Leben.

Amen.“

Harald Klein, Köln

 

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