„Ist ja nicht so, als gäbe es das nicht!“ – Familie im Wandel

Projects 161: Reden wir über Familie!

Vorbemerkung: Im Frühjahr 2015 wurden im Rahmen des Welttages der GCL das Thema „Familie“ und die Sendung der GCL im Blick auf „Familie“ weltweit ins Gespräch und ins Gebet gebracht. Der hier abgedruckte Ablauf für einen Gruppentag – oder mehrere Gruppentreffen – lehnt sich an die Gestaltung des Welttages in der Regionalgemeinschaft Aachen-Köln an. Er baut auf den „Projects 161: Familie“ auf, dem Arbeitspapier für den Welttag. Sie finden es auf www.gcl-online.de unter den „Downloads“.

Wir laden Sie ein, über „Familie“ ins Gespräch zu kommen, so, dass über allem das Gebet des Jabez (1 Chr 4,10) steht: Herr, mache mein Gebiet weit…

Ein erstes Gruppentreffen: Ein-Blick in die eigenen Familien

Nach der Ankommrunde kann im Stehen und im Raum ein erster Impuls gegeben werden. Mit vier Begriffen aus den „Projects 161“ verteilen sich die Teilnehmenden in den zugewiesenen Ecken zu vier nacheinander gestellten kurzen Fragen: (1) In meiner Familienkonstellation gab es „0 / 1 / 2 / 3 und mehr“ Geschwister. – (2) Mit wie viel nicht-traditionellen Familien stehe ich in Kontakt: „0 / 1-2 / 3-4 /-5 und mehr“? (3) Neue Formen von Familie „finde ich gut / verstehe ich nicht / haben in der Kirche keinen Platz / lehne ich ab“. (4) Unterschiedliche Familienrealitäten nehme ich wahr, wenn sie „gescheitert / glücklich / kriselnd / meiner ähnlich“ sind. Und zu jeder Frage kann ein kurzes Informieren, ein kurzer Austausch stattfinden. Wichtig ist es, dass am Ende des ersten Impul- ses die vier Begriffe aus den „Projects 161“ festgehalten werden: Familienkonstellation, nicht-traditionelle Familien, neue Formen von Familien, Familienrealitäten.

Einige Hintergrunddaten aus der letzten „Volkszählung“, dem Mikrozensus von 2011, sollen für das weitere Gespräch „Futter“ geben:

  •  Im Jahr 2011 lebten lediglich 35,9 Prozent der Bevölke- rung als Elternteil oder Kind in einer Familie mit mindes- tens einem minderjährigen Kind.
  • Von den 29,0 Millionen Personen, die im Jahr 2011 in ei- ner Familie mit mindestens einem Kind unter 18 Jahren lebten, waren 13,0 Millionen Eltern oder Elternteile, die in einer Partnerschaft lebten und 1,6 Millionen alleinerzie- hende Elternteile.
  •  Im Jahr 2011 gab es in Deutschland 2,69 Millionen alleinerziehende Mütter und Väter. Bei 1,59 Millionen Alleinerziehenden lebte mindestens ein minderjähriges Kind im Haushalt. Insgesamt 17,5 % aller minderjährigen Kinder leben in Haushalten von Alleinerziehenden.
  •  Fast jedes dritte Kind wächst in einer Familie ohne Geschwister auf.
  • Von den 20,7 Millionen Elternteilen waren 16,3 Millionen Ehefrauen oder -männer (78,8 %), 1,7 Millionen Lebens- partner oder -partnerinnen (8,2 %) und 2,7 Millionen al- leinerziehende Elternteile (13,0 Prozent).
  • Etwas mehr als 35 % der Ehen werden geschieden.
  • Mehr als jede fünfte Person war im Jahr 2011 alleinstehend (21,8 Prozent der Bevölkerung). Diese Personen wohnten also ohne eigene Kinder und ohne Lebenspartner oder -partnerin in einem Haushalt.

Diese Daten des Mikrozensus können den Blick „weiten“: über was reden wir in der GCL, wenn wir von „Familie“ reden? Jetzt können diese vier Begrifflichkeiten aus den „Projects 161“ vertieft werden: Im gemeinsamen Austausch können Sie den Fragen nachgehen: Welche Familienkonstellationen nehme ich in meinem Umfeld wahr? Mit wie vielen nicht-traditionellen Familien stehe ich in Kontakt? Wie bewerte ich neue Formen von Familie, die ich in meinem Um- feld erlebe? Wann und wie nehme ich andere und schwierige Reali- täten von Familie wahr? Hinter all dem steht die Überschrift dieses Artikels: „Es ist ja nicht so, als gäbe es das nicht!“

Wahrscheinlich ist mit diesem Schritt ein erstes Gruppentreffen mit einem ersten Blick („Sehen“) auf die eigene Familie oder mit dem Blick auf Familien aus dem Umfeld gut ausgefüllt. In der Gruppe kann abgesprochen werden, die vier Seiten der „Projects 161“ zu lesen und betend damit umzugehen. Und es kann sowohl ein betender Blick auf die eigene familiäre Situation und die familiären Situationen im eigenen Umfeld abgesprochen werden, die dann in einem zweiten Gruppentreffen zur Sprache kommen können. Als „Lesehilfe“ soll dies im Geist der Demut, der Offenheit und der Dankbarkeit geschehen.

Ein zweites Gruppentreffen: Gottes Gegenwart in den Familien feiern

Im zweiten Treffen sind wir eingeladen, zu „feiern“! In der Ankommrunde kann mitgeteilt werden, was sich seit dem letzten Treffen mit Dankbarkeit und innerer Freude, aber auch, was sich mit Sorge und Bangen im Blick auf die eigene familiäre Situation gezeigt hat.

Ein Impuls soll dazu helfen, die „größeren Wunder, die Gott in unsern Familien wirkt“, in den Blick zu nehmen. Das geschriebene Zitat „Wir empfangen unsere Familien und unsere Lieben als Geschenke Gottes“ kann in der Mitte des Tisches liegen, um den die Gruppe versammelt ist. Es geht um ein vertieftes „Sehen“. Was löst der Satz in den Teilnehmenden aus? Was zeigt sich, wohin lockt der Geist der Demut, der Offenheit, der Dankbarkeit?

Ein zweites Zitat wird – das erste überdeckend – dazu gelegt: „Einige unter uns erfahren Einsamkeit, Enttäuschung und das Gefühl von Ausgeschlossen-sein aufgrund gewisser Familiensituationen.“ Und die Einladung wird ausgesprochen, dieses Zitat „auf sich selbst anzuwenden“, um eine Formulierung aus Ignatius‘ Exerzitienbuch aufzugreifen.

Nun werden beide Zitate nebeneinander gelegt. Beides sind Realitäten unserer eigenen familiären Situationen. In „Projects 161“ heißt es: „In den Gesprächen über unsere Familien wurde/wird uns bewusst, dass wir angesichts mancher Schwierigkeiten, die wir haben, im Miteinander und in der Anteilnahme wachsen müssen. Im betenden Abschluss des Treffens kann in diesem Bewusstsein vor den Herrn Dank und Bitte getragen und geteilt werden.

Die Möglichkeit eines dritten Treffens – mit anderen

Ein vielleicht drittes Treffen wendet den Blick nach außen. Das Urteilen und das Handeln, die Sendung des Einzelnen und der Gemeinschaft kommen in den Blick. Auf dem „Marktplatz der Wirklichkeit“ gibt es Menschen, die sich während oder nach einer Erfahrung des Scheiterns nicht mehr in der Lage sehen, einer Glaubensgrup- pe anzugehören. Es ist, so „Projects 161“, ein „triumphaler“ Zugang zu unseren Familien, der uns hindere, jene willkommen zu heißen und zu unterstützen, die zu kämpfen haben, oder deren Familiengestaltung wir weder verstehen noch gutheißen noch teilen. Ein starker Satz im Arbeitspapier lautet: „Vielleicht müssen wir lernen, Sicherheitsnetze für jene zu knüpfen, die anders sind und/oder deren Erfahrungen wir als ‚Scheitern‘ empfinden.“ Es geht darum, Barrieren zu entfernen – bei Familien, die uns nahe sind, in unserer Nachbarschaft und in anderen Ländern. Um Barrieren zu überwinden, um ein Sicherheitsnetz zu knüpfen, braucht es den Geist der Demut, der Offenheit und der Dankbarkeit.

Hier sei vorgeschlagen, in der Gruppe gemeinsam „Handlungsleitlinien für unsere Sendung“ zu entwickeln, die umzusetzen den Abbau von Barrieren und das Knüpfen eines Sicherheitsnetzes zum Ziel haben. Möglichst konkret und aus dem persönlichen Lebensumfeld heraus kann aus den unten aufgeführten verschiedenen „Szenarien“ eines ausgewählt werden, auf das hin die Teilnehmenden erste Schritte konkreten Handelns suchen. Die fünf Szenarien sind

(1)  eine Begegnung mit Alleinerziehenden;

(2)  eine Begegnung mit einer Familie, in denen das Paar in einer Krise ist;

(3)  eine Begegnung mit einer Familie, in denen die Kinder zur Krise werden;

(4)  eine Begegnung mit alleine lebenden Menschen;

(5)  eine Begegnung mit Menschen in neuen Lebensgemein- schaften.

Hier geht es jetzt um das Handeln, um die Sendung des Einzelnen, der Gruppe und der größeren Gemeinschaft. Im Idealfall wird der Einzelne, wird die Gruppe oder kann sogar die größere Gemein- schaft auf diese Weise unserer Berufung zum Dienst an der Familie nachkommen, in den beiden Stoßrichtungen, die in „Projects 161“ genannt sind.

Über dem „Projects 161“ steht als Schriftwort Joh 2,1-12: „Die Mutter Jesu war dabei. Auch Jesus und seine Jünger waren eingela- den.“ Unsere „liebende Beziehung zu Maria als unserer Mutter und Schwester im Glauben“ (AG 7) findet Ausdruck darin, dass wir uns wahrhaft mütterlich den familiären Lebensrealitäten und -konstellati- onen derer, die Jesu Jünger und Jüngerinnen sind, annehmen. Möge Gott uns dazu segnen und unser Gebiet erweitern.

Harald Klein, Köln
Ute Geppert, Wuppertal

Hier können Sie die Projects 161 in deutscher Sprache herunterladen.

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