„Kulturen der Spiritualität“ oder „Kultur der Spiritualitäten“?

Der Ansatz: „Sehen“ – „Urteilen“ – „Handeln“

Ein Blick in die Statistik des Caritasverbandes vom 3.12.2012 für die Stadt Köln (CVK) lässt hell- hörig werden: In 78 Einrichtungen werden von ca. 2.800 Mitarbeitenden aus 44 Nationen knapp 54.500 Menschen mit Hilfebedarf betreut. Im ersten Teil dieser Arbeit wird unter dem Stichwort „Sehen“ genauer hingeschaut. Hier kommen Menschen mit verschiedensten kulturellen Hintergründen zusammen zum Arbeiten, aber – etwa in den Wohneinrichtungen – auch zum Leben. Sie alle bringen Deutungsmuster ihres Lebens mit, die ihnen ihre „Kultur“ anbietet. Und sie arbeiten und leben in/mit einem Verband, der selbst aus einer christlich-katholischen Kultur erwachsen und dieser verpflichtet ist.

Die Fragestellung

Diese Arbeit geht der Frage nach, wie dieses Zusammenarbeiten und –leben unter dem Paradigma von verschiedenen „Kulturen von Spiritualität“ zu verstehen sein kann. Und sie plädiert für einen Paradigmenwechsel: Die „Kulturen der Spiritualität“ lassen ein bloßes Neben-, vielleicht sogar Gegeneinander von spirituellen Deutungsmuster zu. Das Paradigma der „Kultur der Spiritualitäten“ kann zu einem verstehenden Miteinander führen – dazu muss diese neue Kultur allemal durch Handlungsschritte etabliert werden.

Begriffsklärungen: „Spiritualität“ und „Kultur(en)“

Zunächst werden im 1. Kapitel unter dem Stichwort „Sehen“ die Begriffe „Spiritualität“ und „Kultur“ geklärt. Das 2. Kapitel, der Hauptteil der Arbeit, bahnt unter dem Stichwort „Urteilen“ nach bildungstheoretischen und psychoanalytischen Hinweisen den Weg über einen Kampf der Kulturen und die bloße Koexistenz verschiedener „Spiritualitäten“ hin zur These von der kultuellen Bewältigung dieser „Kulturen der Spiritualität“ zu einer „Kultur der Spiritualitäten“. Im 3. Kapitel sollen dann beispielhaft einige konkrete Handlungsschritte zeigen, wie diese neue „Kultur der Spiritualitäten“ sicher nicht „gemacht“ werden, aber doch „entstehen“ kann.

Hintergrund dieser Arbeit sind Erfahrungen, die ich in der Zeit der beiden Praktika in den Einrichtungen der Josefs-Gesellschaft in Bigge/Olsberg (2011), vor allem aber in der Mitarbeit in der Berufsbildung des CVK gemacht habe (2012/13). Den Mitarbeiter/innen dieser Einrichtungen, aber vor allem den mich an der KatHo begleitenden Professoren danke ich für ihre verschiedenen Weisen der Unterstützung. Dadurch wurde mir möglich, dieselbe Welt und dieselben Menschen nicht nur mit den Augen des Theologen, sondern mit denen des Sozialpädagogen sehen zu können. Es war oft ein bestätigender, in vielen Punkten aber auch ein neuer und befreiender Blickwinkel!

Harald Klein, Köln

Den Text der Arbeit können Sie unten rechts downloaden.