Mit Jesus „in time“

„In time“ – von der „fortlaufenden Zeit“ …

„In time“ – ein Science-Fiction-Film trägt diesen Titel. Mit 25 Jahren hören die Menschen in diesem Film auf zu altern; Geld ist dann keine Währung mehr, an seine Stelle ist die Zeit getreten. Die 25jährigen haben dann nur noch ein Jahr zu leben, es sei denn, es gelingt ihnen, Zeit zu gewinnen – die sie erwerben können, die sie leihen oder sich von anderen stehlen können. Ein Chronometer am Arm gibt Auskunft, wie viele Minuten, Stunden, Tage ihnen noch bleiben. Die Reichen können sich Tausende von Jahren und somit die ewige Jugend und die Unsterblichkeit erkaufen, während die Armen betteln, leihen und Minute um Minute stehlen, um zu überleben.

Was in diesem Film passiert, sei dahingestellt, aber der Rahmen fiel mir ein, als ich „Ewig Gebet“ anschaute.

Drei Punkte, die ich als Verbindung sehe:

Zeit statt Geld

Ein Erstes: Geld ist keine Währung mehr, an die Stelle des Geldes ist aber nicht die Zeit, sondern das Gebet getreten. Um am Leben zu bleiben, beten die Menschen. Es ist wie mit dem Geld im normalen Leben, wie mit der Zeit im Film: wenn ich mich nicht drum sorge, verrinnt es, und der – in unserem Falle: innerliche, geistliche – Mensch stirbt. Um den inneren Menschen am Leben zu halten, braucht es das Gebet, braucht es die Erfahrung der Zuwendung Gottes – auf ihn hin und von ihm her. Der im Gebet „Reiche“, der, der ganz im Gebet lebt und sich in und aus dem Gebet bewegt, entrinnt dieser Sorge. Aber der „Arme“, der muss sich mühen, muss betteln, leihen, vielleicht sogar nicht Zeit, sondern der Gebet stehlen, lässt für sich beten. Vielleicht gilt der Satz „Dem Glücklichen schlägt keine Stunde“ auch abgewandelt: „Dem Betenden, dem im Gebet Lebenden schlägt keine Stunde.“

Lebenshingabe statt Geldspenden

Ein Zweites: Ich stelle einen Satz aus der Lesung in dieses Bild hinein. „Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus diesem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.“ Im Film sehe ich die Akteure vor mir, wie sie ihre Zeituhren, ihre Chronometer aufladen. Im Leben sehe ich uns zur Eucharistie gehen. Und ich höre zunächst das „verkündet ihr den Tod des Herrn“ – dafür stehen Brot und Wein, für die Lebenshingabe Jesu. Und dann höre ich das „bis er kommt“. Nehmen Sie das einmal nicht zeitlich, im Sinne von „tut das solange, bis er wiederkommt“. Nehmen Sie es einmal kausal, im Sinne von „wenn ihr das tut, dann kommt er, dann ist er da, gegenwärtig, in Euch.“ Da passiert im Moment der Eucharistie nicht nur die Verkündigung des Todes Jesu, da ist auch seine Auferstehung in und für mich, für uns gegenwärtig. Der Chronometer meines geistlichen Lebens füllt sich auf, wenn ich von diesem Brot esse, wenn ich von diesem Kelch trinke, wenn ich vor diesem Brot betend ausharre und mich von ihm ganz erfüllen lasse.

Geschenkte Gemeinschaft

Und ein Drittes, das gleich an das Zweite anschließt, ein Wort aus dem Evangelium: „Wer mein Fleisch ist und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm.“ Hier kippt der Vergleich mit dem Film. Es sind nicht Minuten oder Stunden, die mein Leben verlängern, es ist die Gegenwart des Herrn in mir – und in all denen, die mit mir sein Fleisch essen und sein Blut trinken. Wenn Sie in Gemeinschaft heute Ewig Gebet feiern, dann dürfen Sie das in dem von Christus selbst zugesagten Glauben tun, dass in jeder einzelnen von Ihnen Christus bleibt, und dass Christus in jeder einzelnen von ihnen bleibt. Und Sie dürfen, Sie müssen sogar glauben, dass das für jede andere aus Ihrer Gemeinschaft gilt, und für die betende Gemeinschaft als Ganzes. Um noch einmal das Bild vom Film zu bemühen: Sie laden nicht nur jeden einzelnen Chronometer auf, sondern in ihrem Tun lädt sich der Chronometer der Gemeinschaft auf. Er lädt sich auf mit der Zusage, dass Christus in und mit der Gemeinschaft bleiben will. Das ist Zusage und Zumutung zugleich – Zusage, die jeder einzelnen gilt, und Zumutung, dass niemandem absprechen zu dürfen.

Sie werden bis morgen zur Messe einzeln, mit mehreren – wie auch immer – vor diesem Brot sitzen, knien, jedenfalls beten. Lassen Sie sich aufladen mit Christus selbst, jede für sich, jede aber auch für die Gemeinschaft, und die Gemeinschaft für all diejenigen, die herkommen, um selbst neu mit diesem Christus in Berührung zu kommen – schlicht darum, weil auch sie leben wollen.

Amen.

Harald Klein, Köln

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