„Spiritualität lehren?“ – Bachelor-Thesis

Spiritualität lehren?

Kann Spiritualität gelehrt werden? Und soll Spiritualität gelehrt werden? Um drei Aufgaben geht es dieser Arbeit:

Begriffliche Bestimmung von „Spiritualität“

Die erste: der Begriff „Spiritualität“ soll in einer alltäglichen, alltagstauglichen Sprache erarbeitet und vorgestellt werden. Ziel ist es, nicht neben, sondern in der „Welt“ von einem „Geistlichen Leben“ sprechen zu können. „Geistliches Leben“ meint im Fortgang der Arbeit einen bewusst gewollten und gewählten „Umformungsprozess“ des eigenen Lebens, der,  so Reinhard Körner (vgl. Körner, Reinhard <1986>, 25), am Mensch gewordenen Gott in Jesus Christus selbst Maß nimmt; später wird von einem Prozess der Re-, De- und Neukonstruktion der eigenen Wirklichkeit die Rede sein. Doch eins nach dem anderen. Der „geistliche“ Mensch steht nicht neben dem „ungeistlichen“, der „kontemplative“ Mensch nicht neben dem „aktiven“ Menschen – es geht darum, „weltliches“ Tun „geistlich“ deuten zu lernen, „aktives“ Tun „kontemplativ“ verstehen zu lernen. Der erste Teil der Arbeit hat von daher um „Sprachliche Klärungen“ zum Inhalt. Christliche Spiritualität wird definiert, wird unterschieden von „Religiosität“ und „Frömmigkeit“, weitet sich auf einen Begriff von Spiritualität in den Religionen und schließlich auf einen Begriff von Spiritualität, der über Religion hinausgeht.

Kann Spiritualität gelehrt werden?

Die zweite Aufgabe zielt auf die indikativische Fragestellung, ob Spiritualität gelehrt werden kann. Dabei wird auf die Lerntheorien des Konstruktivismus und auf einige prominente Vertreter – Heiko Kleve, Kersten Reich, Rolf Arnold – zurückgegriffen. Von hier aus ergeben sich dem Konstruktivismus eigene Blicke auf den Prozess des „Lernens“ und des „Lehrens“. Lernen meint hier „eine dauerhafte Verhaltensänderung auf Grund von Erfahrungen – so die allgemeinste Definition. Eine neuere Definition versteht Lernen als Erweiterung des Wissens, der Fähigkeiten und Fertigkeiten zur Bewältigung von Lebenssituationen.“ (Siebert, Horst<1991>, 161f). Und Lehren ist „die Unterstützung von internalen Lernprozessen eines Individuums durch externale Maßnahmen der Lernumweltgestaltung.“(Mandl, Hans <2004>, 87)

Der im ersten Teil in sechs Thesen herausgearbeitete Begriff wird um die Komponente „Spiritualität in konstruktivistischer Sicht“ erweitert. Hier umschreiben sieben Thesen, wie – jetzt: christliche – Spiritualität dazu dienen kann, das Gesamt des Lebens von einem Bezugspunkt außerhalb des Lebens her zu deuten und zu verstehen. Mit diesem Teil ist die (indikativische) Frage beantwortet, ob und wie Spiritualität gelehrt werden kann.

Eine Spurensuche

Eher als Illustration eingeschoben und einem Exkurs über „Spurensuche“ von Spiritualität in und für Soziale Arbeit gleichkommend ist der dritte Teil der Arbeit. Anhand von je zwei „spirituellen“ Menschen aus je einer Epoche wird an drei Beispielen gezeigt, wie derselbe Umstand mit der je eigenen spirituellen Deutung zu je verschiedenen Lebensmustern geführt hat. Den historischen Längsschnitt verlassend, wird es dann darum gehen, in einem gegenwärtigen Querschnitt aufzuzeigen, wie die historischen „Vorgaben“ von „Meister(inne)n des Geistlichen Lebens“ in der Gegenwart wirken und zu heutigen Formen geistigen Lebens und zu Spiritualität in Sozialer Arbeit und für Soziale Arbeit führen können. Im Hinblick auf die Zielgruppe der in der Sozialen Arbeit Tätigen sind die vorgestellten Beispiele bewusst den ihr zugehörigen Tätigkeitsfeldern entnommen. Unnötig zu erwähnen, dass es unzählige andere Beispiele für diesen „Konstruktionsprozess“ von (geistlicher) Wirklichkeit gäbe. Mit sechs weiteren Thesen wird am Ende dieser „Spurensuche“ dann der „diakonische Mehrwert“ von Spiritualität für die Soziale Arbeit beschrieben.

Wege zum Lehren/Lernen von Spiritualität

Der vierte Teil der Arbeit will „Spuren zeigen“, in denen Spiritualität gelehrt wird und in denen Spiritualität gelernt werden kann. Er ist so aufgebaut, dass er vom Allgemeinen – der Praxis der Achtsamkeit – über einen besonderen Weg – den der Ignatianische Einzelexerzitien/Exerzitien im Alltag – zu einem Spezifikum in, für, mit der Sozialen Arbeit – den Straßenexerzitien – führt. In diesem vierten Teil wird ausgeführt, wie die Thesen zur Spiritualität, die den Abschluss der ersten drei Teile bilden, praktisch umgesetzt werden und in den beschriebenen Maßnahmen einen konstruktivistisch verstandenen internalen Lehr-/Lernprozess mit externaler Gestaltung der Lernumweltgestaltung (s.o.) bilden.

Soll Spiritualität im Studium der Sozialen Arbeit gelehrt/gelernt werden?

Die imperativische Fragestellung, und damit die dritte Aufgabe, ob und wer im Rahmen der Sozialen Arbeit Spiritualität lehren soll, wird rückblickend auf die Arbeit erst im Schlussteil beantwortet.

Harald Klein, Köln

Anm.: Die zitierten Autoren werden im Literaturverzeichnis des Download-Dokuments ausgewiesen.