Verw:ortet

Worte, auf denen ich "stehe"

Das Grundprojekt dieser Seite ist die Suche nach und sind die Hinweise auf eine Spiritualität, die alltagstauglich ist, die dialogfähig ist, die hinführt zu einem Mehr an Liebes- und Leidensfähigkeit und die sich erst dann christliche Spiritualität nennen will, wenn sie Maß nimmt am Handeln und Reden Jesu Christi und seinem Geschick.

Ich habe Freude an der Begegnung mit vielen Autorinnen und Autoren aus der theologisch-spirituellen Literatur. Gleichzeitig finde ich  in der Lyrik immer wieder Worte, die mir Halt und Orientierung geben und auf denen ich stehe. Die Verbindung von „Wort“ und „Verortung“ will das Kunstwort „verw:ortet“ ausdrücken.

Auf der Startseite werden diese Worte in unregelmäßigen Abständen verändert, auf dieser Seite werden sie gesammelt und aufgehoben. Es ist mir eine Freude, sie Ihnen hier zur Verfügung zu stellen.

Köln, 03.10.2019

Harald Klein

» Ich glaube, dass ich am Heldentum und an der Heiligkeit keinen Geschmack finde. Was mich interessiert, ist, ein Mensch zu sein. «
Camus, Albert <6. Aufl. 1989>: Die Pest, Reinbek, 167.

Verw:ortet im April 2020

Alle Zitate sind entnommen aus: Camus, Albert (6. Aufl. 1989): Die Pest, Reinbek.  Die Quellenangaben sind am Ende jedes Zitates in Klammen angegeben.

„Die Pest überließ sie auch dem Müßiggang, zwang sie, sich in der trüben Stadt im Kreis zu bewegen und Tag für Tag die Beute der enttäuschenden Spiele der Erinnerung zu werden.“ (Camus, Albert <61989>: Die Pest, Reinbek, 47.)

„So brachte die Pest unseren Mitbürgern als erstes die Verbannung. […] Denn das war wirklich das Gefühl der Verbannung, jene Leere, die wir unablässig in uns trugen, diese besondere innere Unruhe, der unvernünftige Wunsch, in die Vergangenheit zurückzukehren oder im Gegenteil die Zeit vorwärts zu treiben ,diese brennenden Pfeile der Erinnerung.“ (Camus, Albert <61989>: Die Pest, Reinbek, 47f.)

„In dieser äußersten Einsamkeit konnte niemand auf die Hilfe des Nachbarn zählen, und jeder blieb mit seinen Gedanken allein.“ (Camus, Albert <61989>: Die Pest, Reinbek, 50.)

„Viele hofften indessen, die Seuche werde aufhören und sie werde sie und die ihren verschonen. Infolgedessen fühlten sie sich noch zu nichts verpflichtet.“ (Camus, Albert <61989>: Die Pest, Reinbek, 62.)

„Hinsichtlich der Religion wie vieler anderer Probleme flößte die Pest ihnen eine merkwürdige Geisteshaltung ein, die weder Gleichgültigkeit noch Leidenschaft kannte und die sehr gut mit dem Wort ‚Unvoreingenommenheit‘ bezeichnet werden kann.“ (Camus, Albert <61989>: Die Pest, Reinbek, 62.)

„Alle schritten oder lebten an den Klagen vorbei, als wären sie die natürliche Sprache der Menschen.“ (Camus, Albert <61989>: Die Pest, Reinbek, 73.)

„Ich bin froh, dass er besser ist als seine Predigt.“ – „Alle Leute sind so“, antwortete Tarrou lächelnd und zwinkerte Rieux zu, „sie müssen nur die Gelegenheit dazu haben.“ (Camus, Albert <61989>: Die Pest, Reinbek, 99.)

„Mich interessiert nur noch, von dem zu leben und an dem zu sterben, was ich liebe.“ (108) (Camus, Albert <61989>: Die Pest, Reinbek, 108.)

„Man muss es wohl aussprechen: die Pest hatte alle der Fähigkeit zur Liebe und sogar zur Freundschaft beraubt. Denn die Liebe verlangt ein wenig Zukunft, und für uns gab es nichts mehr als Augenblicke.“ (Camus, Albert <61989>: Die Pest, Reinbek, 120.)

„Rieux richtete sich auf und sagte mit fester Stimme […], man brauche sich nicht zu schämen, wenn man das Glück vorziehe. ‚Ja‘, sagte, Rambert, ‚aber man kann sich schämen, allein glücklich zu sein.'“ (Camus, Albert <61989>: Die Pest, Reinbek, 136.)

„‘Vielleicht sollten wir lieben, was wir nicht begreifen können.‘ – ‚Ich habe eine andere Vorstellung von der Liebe. Und ich werde mich bis in den Tod hinein weigern, die Schöpfung zu lieben, in der Kinder gemartert werden.“ (Camus, Albert <61989>: Die Pest, Reinbek, 142f.)

„Wir arbeiten miteinander für etwas, was uns jenseits von Lästerung und Gebet vereint. Das allein ist wichtig.“ (Camus, Albert <61989>: Die Pest, Reinbek, 143.)

„‚Eigentlich‘, sagte Tarrou schlicht, ‚möchte ich gerne wissen, wie man ein Heiliger wird.‘ – ‚Aber Sie glauben ja nicht an Gott.‘- ‚Eben. Kann man ohne Gott ein Heiliger sein, das ist das einzig wirkliche Problem, das ich heute kenne.“ (Camus, Albert <61989>: Die Pest, Reinbek, 167.)

„Ich glaube, dass ich am Heldentum und an der Heiligkeit keinen Geschmack finde. Was mich interessiert, ist, ein Mensch zu sein.“ (Camus, Albert <61989>: Die Pest, Reinbek, 167.)

„Aber er, Rieux, was hatte er gewonnen? Sein einziger Gewinn war, dass er die Pest gekannt hatte und ihm die Erinnerung daran blieb, dass er die Freundschaft gekannt hatte, und ihm die Erinnerung daran blieb, dass er die innige Verbundenheit kannte und ihm eines Tages nur noch die Erinnerung daran bleiben würde.“ (Camus, Albert <61989>: Die Pest, Reinbek, 190.)

„Alles, was der Mensch im Spiel der Pest und des Lebens gewinnen konnte, waren Erkenntnisse und Erinnerung.“ (Camus, Albert <61989>: Die Pest, Reinbek, 190.)

„Wenn es etwas gibt, das man immer ersehnen und manchmal auch erhalten kann, so ist es die liebevolle Verbundenheit mit einem Menschen. Das wussten sie jetzt.“ (Camus, Albert <61989>: Die Pest, Reinbek, 197.)

„Er wollte schlicht schildern, was man in den Heimsuchungen lernen kann, nämlich dass es an den Menschen mehr zu bewundern als zu verachten gibt.“ (Camus, Albert <61989>: Die Pest, Reinbek, 202.)

» O Gott, wenn du überall bist, wie kommt es dann, dass ich so oft woanders bin?«
Madeleine Delbrêl, in: Schleinzer, Annette (Hg.) (2. Aufl. 2010): Madeleine Delbrêl. Gott einen Ort sichern. Texte-Gedichte-Gebete, Ostfildern, 57.

Verw:ortet im März 2020

Alle Zitate sind entnommen aus: Schleinzer, Annette (Hg.) (22010): Madeleine Delbrêl. Gott einen Ort sichern. Texte-Gedichte-Gebete, Ostfildern. Die Seitenzahlen sind am Ende in Klammen angegeben.

„Manchmal heißt Schweigen, den Mund zu halten, immer aber heißt es Lauschen.“ (61)

„Wenn wir zusammenkommen, um das Evangelium miteinander zu lesen, tun wir das nicht, um Studien zu betreiben, sondern um bei ihm Zuflucht zu finden. Betend, suchend und aufmerksam hörend versammeln wir uns um die Person Jesu, um das, was er gesagt hat, um das, was er getan hat. Wir bringen unser Leben mit ihm in Kontakt, so, wie es ist – damit er es immer mehr zu dem werden lässt, was es sein soll.“ (44)

„Wenn der Tag so vollgestopft ist, dass Pausen unmöglich sind, wenn unsere Kinder, der Mann, das Haus, die Arbeit fast alles beanspruchen, dann fordert es so viel Glaube von uns und so viel Achtung, dass wir wissen: seine göttliche Kraft kann ihm (i. e. dem Wort Gottes, H.K.) stets Raum verschaffen. […] Denn das Wort hat seinen Platz gefunden: ein armes und warmes Menschenherz, das ihm Wohnung bietet.“ (46)

„Die Liebe ist das forschende Suchen nach den einzig absoluten Reichtümern, die Entdeckung der mächtigsten Energien, die belebendste Erfahrung des Lebens, die Erkundung einer Geschichte, in der alle Einzelschicksale zusammenlaufen und in die wir selbst hineinverwoben sind.“ (49)

» Nur wo es Vergebung gibt, kann es auch Wahrheit geben. «
Brahm, Ajahn (2014): Der Elefant, der das Glück vergaß. Buddhistische Geschichten, um Freude in jedem Moment zu finden, 23. Auflage, München, 121.

Verw:ortet im Februar 2020

Alle Zitate sind entnommen aus: Brahm, Ajahn (2014): Der Elefant, der das Glück vergaß. Buddhistische Geschichten, um Freude in jedem Moment zu finden, 23. Auflage, München. Die Seitenzahlen sind am Ende in Klammern angegeben.

„Es war in Thailand vor vielen Jahren, als Ajahn Chan eines Tages vor seinem allmorgendlichen Almosengang zurückkehrte, am Wegrand einen Stock aufhob und fragte: ‚Wie schwer ist dieser Stock?‘ Bevor noch irgendjemand antworten konnte, warf Ajahn Chan den Stock in die Büsche und sagte: ‚Schwer ist der Stock nur, solange ihr ihn festhaltet. Sobald ihr ihn wegwerft, ist sein Gewicht dahin.‘“ (30)

„Eines möchte ich den Eltern, die dieses Buch lesen, hinter die Ohren schreiben: Bitte sagt euren Kindern, dass ihr sie, wenn sie die Wahrheit sagen, nie bestrafen und ihnen auch keine Vorhaltungen machen werdet, was immer auch sie getan haben mögen.“ (119)

„Wo Strafe droht oder auch nur eine Rüge, wird nie die Wahrheit gesagt werden. Deshalb kennen wir im Buddhismus keine Strafen.“ (119)

„Nur wo es Vergebung gibt, kann es auch Wahrheit geben.“ (121)

„Jetzt wissen Sie auch, warum es uns Menschen so schwerfällt, zur Ruhe zu kommen. Denn die meisten von uns haben einen Affengeist, und das bedeutet: Ich erledige das nur noch kurz, dann setze ich mich ganz ruhig hin und meditiere.“ (125)

» Ich war und bin der Überzeugung, dass die Poesie in entscheidendem Maße zur Identität, zum wahrhaftigen Benennen der Wirklichkeit und damit auch zur Möglichkeit des Einzelnen zum Widerstand befähigt. Ich denke, der Einzelne muss erst ein Ich sein. Erst dann kann er sich entscheiden, zu welchem Wir er sich bekennt. Wer gleich mit dem Wir anfängt, läuft Gefahr, ein Mitläufer zu sein. Ich glaube, man muss erst erkennen, worum es einem geht, um sich für etwas entscheiden zu können. «
Hilde Domin, in: Scheidgen, Ilka (2018): Hilde Domin. Dichterin des Dennoch, 2. Auflage, Lahr, 159.

Verw:ortet im Januar 2020

Alle Zitate sind entnommen aus: Scheidgen, Ilka (2018): Hilde Domin. Dichterin des Dennoch, 2. Auflage, Lahr. Die Seitenzahlen sind am Ende in Klammen angegeben.

„Ganz wesentlich für mich ist, mit offenen Armen auf den anderen zugehen, an das Gute im Menschen zu glauben, an das Wunder zu glauben, weil man Vertrauen übt.“ (91)

„Es geht um das Begreifen, dass das Zuhause stets etwas Verlierbares ist. ‚Jedes Ausgestoßenwerden in Fremdes ist Geburt.‘ Es wird der Versuch einer Wiedereingliederung beschrieben, die sich dann als ‚zweites Paradies‘ erweisen könnte. ‚Das zweite Paradies, weißt Du. Es ist nicht weniger Paradies als das frühere. Wir müssen nur erst durch die Wirklichkeit hindurch.‘ Allerdings besteht ein gravierender Unterschied zum ersten Paradies, das einem geschenkt wurde. Das zweite muss aktiv erworben werden. […] ‚Das Zuhause sind wir. Die Fremde sind wir. Wir erwarten uns. Jeden Morgen. Wir wissen es und wir denken es. Mit Hoffnung. Auch mit Angst.‘“ (128)

„Erwachsensein ist Nicht-Bekommen, was man will. Und es wissen und den Mangel einbauen. […] Erwachsensein ist Sehen, wie das, was man in der Hand hält, etwas anderes wird. Und es nicht ändern können.“ (129)

„Wenn die Sprache nicht stimmt, so ist das, was gesagt wird, nicht das, was gemeint ist. Ist das, was gesagt wird, nicht das, was gemeint ist, so kommen die Werke nicht zustande; kommen die Werke nicht zustande, so gedeihen Moral und Kunst nicht; so trifft die Justiz nicht; trifft die Justiz nicht, so weiß das Volk nicht, wohin Hand und Fuß setzen. Also dulde man keine Willkür in den Worten. Das ist alles, worauf es ankommt.“ (151)

» Je mehr wir vom 'Advent' begreifen, lernen wir eigentlich, dass es eine solche 'Ankunftszeit' nicht geben dürfte. Gott steht nicht aus, Gott wartet, dass wir endlich einstehen und anfangen! Nicht 'Zuwarten' ist da angesagt, sondern Losmachen. Glauben ist keine Angelegenheit für die Zukunft, sondern für die Gegenwart. «
Drewermann, Eugen (2012): Die sieben Tugenden, Ostfildern, 38.

Verw:ortet im Dezember 2019

Alle Zitate sind entnommen aus: Drewermann, Eugen (2012): Die sieben Tugenden, Ostfildern. Die Seitenzahlen sind am Ende in Klammen angegeben.

„Menschen ändern sich in allem, doch sie können sich in allem nur ändern, wenn sie eine […] leise Stimme vernehmen, die ihnen sagt: Aber du bist doch mein Sohn, meine Tochter, – ein Wort, in dem Gott wie mütterlich, wie väterlich erscheint. Erst wenn dieses Wort gilt, fände es ein Ende damit, sich Gott verdienen zu müssen durch Opfer, durch Priestervermittlung, durch theologische Traktate der Orthodoxie; vielmehr wüchse eine kindliche Unmittelbarkeit heran, die Gott nicht mehr zutraut, über die Hilflosigkeit der Menschen den Stab zu brechen und Gerechtigkeit aus ihnen herauszuwürgen, nur um ein abstraktes Gesetz zu erfüllen.“ (21)

„Wir haben mit dem Begriff Glauben nichts weiter vor uns als einen an den Himmel geworfenen Gruppenegoismus, als einen planungsvollen Terror zur Einschüchterung von Menschen; nicht Freiheit, vielmehr der Kampf gegen die Freiheit ist ein solcher ‚Glaube‘; nicht Menschlichkeit, sondern der Ersatz der Person durch eine geistige, will sagen: ungeistige Behörde ist dieser ‚Glaube‘. Er ist ein Begriffsfetischismus von Redensarten, die in sich selbst wie magisch Gott herbeizaubern sollen. Ein solcher Glaube verwechselt dir Hörsamkeit gegenüber Gott mit Gehorsam gegenüber kirchlichen Institutionen. Von daher muss man die ersten drei Tugenden im Christentum insgesamt anders übersetzen, als sie klingen: Es geht nicht um Glauben, Hoffnung und Liebe, es geht: um Gehorsam, Treue und Pflicht.“ (25)

„Verstehen wir also, was im Namen dieses Mannes Glauben heißen müsste? Verstehen wir, wie sich das Leben von daher ändern würde? Wir hätten mit dem Wort Glauben eine Anwendungsformel zur Lösung so gut wie aller peinigenden Lebensumstände. Sie lautet in etwa: ‚Lass sie doch machen, was sie wollen! Tu das, was du innerlich im Angesicht der Not anderer Menschen für richtig findest. Niemand kann dich daran hindern, es sei denn, du selber nimmst das, was die anderen wollen, unter dem Druck der Angst als Befehl in dich auf. Aber das muss nicht sein. Bleib bei dem, was du selber am deutlichsten fühlst.'“ (32)

„Das Furchtbare ist, dass wir genau wüssten, was richtig ist, aber dann kommt so etwas wie Angst daher und bringt alles durcheinander!. Deshalb muss man vielleicht, um zu glauben, ein bisschen schon doch ‚wissen‘. Man muss zum Beispiel die Geschichte des JESUS VON NAZARETH erzählen. Es war ein einziges Mal in der Geschichte der Menschheit, dass jemand wie der Mann aus Nazareth versuchte, ob’s nicht anders ging. Und das wird nun die alles entscheidende Frage: ob wir es mit ihm für möglich halten, dass es tatsächlich anders ginge, denn anders ist kein Leben! An Fragen dieser Art entscheidet sich’s.“ (34)

» Die Sehnsucht nach einem neuen Weg bringt den Weg nicht hervor. Nur das Beenden des alten Weges kann das erreichen.
Wir können nicht am Alten festhalten und gleichzeitig behaupten, dass wir etwas Neues wollen.
Das Alte trotz dem Neuen;
das Alte verleugnet das Neue;
das Alte schreit das Neue nieder.
Es gibt nur eine Möglichkeit, Neues hervorzubringen. Wir müssen Platz dafür schaffen. «
Neale Donald Walsh, in: Rohr, Richard (2014): Die Liebe leben. Was Franz von Assisi anders machte, Freiburg, 9.

Verw:ortet im November 2019

Alle Zitate sind entnommen aus: Rohr, Richard (2014): Die Liebe leben. Was Franz von Assisi anders machte, Freiburg. Die Seitenzahlen sind am Ende in Klammen angegeben.

» Das Evangelium ist keine Feuerversicherung für die nächste, sondern eine Lebensversicherung für diese Welt.« (17)

» Das Traurige an der Mystik ist die Tatsache, dass das Wort selbst so sehr mystifiziert worden ist. Als wäre Mystik nur etwas für ganz wenige Auserwählte. Für mich bedeutet das Wort einfach ‚experimentelles Wissen spiritueller Dinge‘, im Gegensatz zum Wissen aus Büchern, aus zweiter Hand oder aus der kirchlichen Lehre. « (18)

» Die häufigste Versuchung für uns alle besteht darin, dass wir die Zugehörigkeit zur richtigen Gruppe und das Praktizieren der richtigen Rituale als Ersatz für jede persönliche, lebensverändernde Begegnung mit dem Göttlichen benutzen. « (21f)

» Ein Priester ist nicht jemand, der weiß, wie man den Regentanz aufführt und der Dürre ein Ende macht. Ein Priester ist jemand, der weiß, wie man begründet, warum der Regentanz erfolglos blieb und warum wir weiter an unseren Gott glauben müssen, obwohl er gegenüber all unseren Gebeten taub zu sein scheint. «
Harari, Yuval Noah (2018): 21 Lektionen für das 21. Jahrhundert, München, 210.

Verw:ortet im Oktober 2019

Alle Zitate sind entnommen aus dem Kapitel „Religion“ in: Harari, Yuval Noah (2018): 21 Lektionen für das 21. Jahrhundert, München. Die Seitenzahlen sind am Ende in Klammen angegeben.

» In den eifernd-geifernden Predigten mancher evangelikaler Pastoren in den USA ist vom Widerstand gegen Umweltgesetze die Rede, während Papst Franziskus im Namen Jesu Christi gegen den Klimawandel mobil macht (wie sich seiner zweiten Enzyklika Laudato si‘ entnehmen lässt). Insofern wird im Jahr 2070 der Hauptunterschied in Umweltfragen vielleicht nur darin bestehen, ob man evangelikaler oder katholischer Christ ist. Selbstverständlich werden Evangelikale gegen jede Einschränkung der Co2-Emissionen sein, während Katholiken der Überzeugung sein werden, dass schon Jesus den Umweltschutz gepredigt hat. « (215f)

» Und so werden Religionen im 21. Jahrhundert keinen Regen bringen und keine Krankheiten heilen, keine Bomben bauen – aber sie werden weiter darüber bestimmen, wer ‚wir‘ sind und wer ’sie‘ sind, wen wir heilen und wen wir bombardieren sollen. « (217)

» Religionen, Riten und Rituale werden so lange wichtig bleiben, wie die Macht der Menschheit auf massenhafter Kooperation beruht und massenhafte Kooperation auf dem Glauben an gemeinsamen Fiktionen basiert. « (222)

» Wir sitzen also ziemlich in der Klemme. Die Menschheit bildet heute eine einzige Zivilisation, und Probleme wie der Atomkrieg, der ökologische Kollaps und die technische Disruption lassen sich nur auf globaler Ebene lösen. Andererseits spalten Nationalismus und Religion unsere menschliche Zivilisation noch immer in verschiedene und oftmals feindliche Lager. « (223)