Der Rückblick: Sämann – Selbstwachsende Saat – (Senfkorn)
Und zum dritten Mal in Folge ein Gleichnis, nein, gleich zwei, in denen Jesus vom Reich Gottes in den Bildern und der Sprache seiner Zeit redet.
Du erinnerst dich: vor zwei Wochen wurde mal wieder der Sämann bemüht, der unachtsam übers Feld ging, sodass die Saat zwar von selbst wuchs, aber doch zum Teil keine Chancen zum Wachstum hatte. Da fiel einiges auf den Weg und wurde von Vögeln gefressen, einiges fiel auf felsigen Boden mit wenig Erde, ging sofort auf und die Sonne versengte die Saat, die keine Wurzeln ziehen konnte; ein dritter Teil wurde von Dornen erstickt, und nur das, was auf guten Boden fiel, konnte Frucht tragen. Das Gleichnis vom Sämann legt den Schwerpunkt auf den „guten Boden“ – dem Sämann kommt nur eine verschwindende Nebenrolle zu.
In der letzten Woche kam dann das Gleichnis von der selbstwachsenden Saat (und in der Langform des Evangeliums auch das Gleichnis vom Senfkorn). Jetzt wird nicht mehr zwischen „gutem“ und „schlechtem Boden“ unterschieden, auf denen das Reich Gottes in unterschiedlicher Weise wachsen kann – und daneben, dualistisch gedacht, das Reich des Bösen. Jetzt geht es um den „guten“ und den „schlechten Samen“. Beides wächst gleichzeitig, beides wächst nebeneinander, und Jesus mahnt, das „Unkraut“ zu früh auszureißen, ihm zu viel Aufmerksamkeit angedeihen zu lassen – weil sonst auch das „Kraut“, das Getreide leidet. Der Sämann wird zur bedeutenden Nebenrolle, zum Entscheider über die Ernte!
Der Einblick: Der Schatz im Acker
Und heute dann das Gleichnis vom Schatz im Acker, ergänzt vom Gleichnis von der Perle im Acker – beide Gleichnisse sagen dasselbe: Ein Mann, im zweiten Gleichnis ein Kaufmann, entdeckt einen Schatz, der im Acker verborgen liegt, gräbt ihn wieder ein, verkauft in seiner Freude alles, was er besitzt , und kauft den Acker. Im zweiten Gleichnis findet der Kaufmann eine Perle – von seiner Freude ist hier keine Rede – und verkauft alles, was er besitzt, um die Perle zu kaufen. Merke: der eine „entdeckt“, der andere „findet“.
und ein Finden-Wollen
von bereits Bekanntem im Neuen.
Finden - das ist das völlig Neue!
Das Neue auch in der Bewegung.
Alle Wege sind offen,
und was gefunden wird, ist unbekannt.
Es ist ein Wagnis, ein heiliges Abenteuer!
Die Ungewissheit solcher Wagnisse
können eigentlich nur jene auf sich nehmen,
die sich im Ungeborgenen geborgen wissen,
die in die Ungewissheit,
die Führerlosigkeit geführt werden,
die sich im Dunkeln
einem unsichtbaren Stern überlassen.
Der Ausblick: Ein Blick auf die Haupt-Akteure in den Gleichnissen
Wenn du magst, stell dir doch mal den Sämann aus dem ersten Gleichnis bei seinem Gang über die verschiedenen Wege, den Sämann aus dem zweiten Gleichnis im Gespräch mit seinen Knechten, den Mann, der den Schatz im Acker entdeckt, und den, der die schöne Perle findet vor. Mach einen Kurzfilm daraus. Und nimm dich selbst als Regisseur, der den Akteuren sagt, wie sie sich bewegen sollen, wie sie mit anderen und mit sich selbst umgehen wollen, wie es um ihr Vertrauen und Misstrauen, ihre Freude und ihre Sorge steht usw. Es könnte, könnte sein, dass du dadurch ein Ranking für die Gleichnisse und deren Inhalt, deren Umfeld bekommst.
Um dir von mir zu erzählen: Meine Nummer eins in diesen Gleichnissen aus dem Matthäus-Evangelium ist das vom Schatz im Acker, weil es das einzige in dieser Reihe ist, dass einen Dreischritt, ein aktives Tun, eine gelebte Haltung im Blick auf das Säen, das Wachsen, das Ernten des Reiches Gottes voraussetzt: das Entdecken; die Freude; den persönlichen Einsatz für das Gefundene.
Denk dran, du bist noch in der Rolle des Regisseurs für die Akteure. Was mag einen Mann, der im Acker quasi im Vorübergehen einen vergrabenen Schatz entdeckt, unterscheiden von einem Kaufmann, der schöne Perlen sucht und eine findet? Wieso spricht Jesus im Gleichnis nur dem ersten Mann Freude zu, aus der heraus er handelt? Was mag der Kaufmann empfinden, was treibt ihn zum Handeln?
Was heißt das für das Entdecken bzw. für das Suchen nach dem Reich Gottes für dich? Wo hast du schon gesucht, bist fündig geworden, und wie hat sich das ausgewirkt? Welche Art Gewinn und Freude ist da dabei? Und die vielleicht wichtigste Frage: Hast du auf Wachstum gesetzt, oder auf Gewinn? Und wie füllst du inhaltlich „Wachstum“ oder „Gewinn“? Was hast du eingesetzt? Was hast du verändert, aufgegeben, etabliert in deinem Leben, aus Freude an dem, was oder wer sich dir gezeigt und geschenkt hat?
Ignatius von Loyola unterscheidet magis und multum. „Multum“ ist quantifizierbar, hat mit Menge zu tun, meint (Selbst-) Optimierung. „magis“ ist qualifizierbar, hat mit Qualität zu tun, meint (Selbst-) Kultivierung. Ich möchte den suchenden Kaufmann dem „multum“, dem sich über den gefundenen Schatz sich freuenden Mann dem „magis“ zuordnen. Seine Gesellschaft würde mir guttun.
Ein Zitat von Pablo Picasso bringt das Entdecken des Reiches Gottes für mich auf den Punkt: „Ich suche nicht, ich finde!“ Auf Wachstum setzen heißt, mehr finden als suchen.
So viel für heute und für diese Woche.
Köln, 25.07.2026
Harald Klein