25. Sonntag im Jahreskreis:
Werte, nicht Worte

  • Auf Links gedreht - Das Evangelium
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Versprechen – in der Werbung

Keine Sorge, gemeint ist nicht die unsagbar lästige Amplifon-Telefon-Werbung, mir geht es im Blick aufs Evangelium um die Anwerbung von Arbeitern im Weinberg, eine Art „analoges my-hammer.de“, wo du zu jeder Tages- und Nachtzeit Handwerker für deine „Baustellen“ suchen und finden kannst.

Analog geht es im Evangelium zu – im doppelten Sinne. Bei Morgenanbruch, irgendwann kurz vor neun Uhr, kurz vor zwölf Uhr, kurz vor 15 Uhr und kurz vor 17 Uhr geht ein Gutsbesitzer auf den Markt, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben. Das Besondere: mit allen vereinbart er einen Festlohn – Achtung: keinen Tageslohn – von einem Denar. Am Ende des Tages erhält jeder der Angeworbenen diesen einen Denar, eine Gleichstellung, die diejenigen murren lässt, die ja zum Teil erheblich länger gearbeitet haben. Der Gutsbesitzer reagiert auf dieses Murren: „Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart? Nimm dein Geld und geh! Ich will dem Letzten ebenso viel geben wie dir. Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will?“ (Mt 20,14-16)

Er setzt noch einmal nach: „Oder ist dein Auge böse, weil ich gut bin? So werden die Letzten Erste sein und die Ersten Letzte.“ (Mt 20,15f)

Wahrscheinlich kennst du das Gleichnis, mindestens seinen Schlusssatz. Spannend wäre es, wenn du mal in dich hineinspürst, ob es dich eher auf der Seite des Gutsbesitzers oder auf die Seite der (noch dazu zu verschiedenen Zeiten) angeworbenen Arbeiter hinzieht. Ich bin sicher, dass du zu unterschiedlichen Wertungen kommst.

» Unsere Werte sind der innerste Kern unserer Persönlichkeit. Sie beeinflussen, welchen Beruf wir ergreifen, mit welchen Menschen wir uns verbunden fühlen, sogar wie wir uns kleiden und was wir essen. Wenn wir nicht entsprechend unseren Werten handeln, sind wir unzufrieden mit uns selbst oder tun Dinge, die wir womöglich später bereuen. «
Haupt, Amelie: Zwei Übungen zur Selbstreflexion von Werten, vgl. [online] https://6minutenverlag.de/blogs/article/2-uebungen-zur-selbstreflexion-von-werten [19.09.2026]

Vergleiche – Bewertungen, keine Werte

Die Herausforderung einer positiven Sicht auf den Gutsbesitzer liegt darin, dass es im Modus des Vergleiches ungerecht ist, denen, die längere Zeit im Weinberg tätig waren, dasselbe zu gebe wie denen, die nur einen Bruchteil der Zeit arbeiteten waren. Kein Wunder, wenn du dich und deine Welt bzw. das , was in deiner Welt geschieht i.d.R. in Kategorien wie besser/schlechter, richtig/falsch, da oben/da unten, schwarz/weiß einteilst. Innerhalb dieser Kategorien ist viel Raum für Bewertungen – das Leiden daran entsteht aber, dass sie sich lediglich auf Vergleiche und nicht auf wirklich Werte beziehen. Am Beispiel des Gutsbesitzers: da geht es um ein Mehr oder Weniger im monetären Bereich für mehr oder weniger Arbeit, um den Vergleich bzw. den Zusammenhang von mehr Arbeitszeit, mehr Geld – und natürlich umgekehrt. Der Zusammenhang zwischen Arbeitszeit und Lohn wird bewertet; und kennst du jemanden, der da nicht meint, eher schlechter/da unten/schwarz dazustehen?

Jetzt schau, was sich ändert, wenn die Sicht auf den Gutsbesitzer im Modus des Wertes geschieht. Amelie Haupt, Autorin im 6-Minuten Verlag, bietet im Blog dieses Verlages zwei Übungen zur Selbstreflexion von Werten an. Sie definiert diesen Begriff: „Unsere Werte sind der innerste Kern unserer Persönlichkeit. Sie beeinflussen, welchen Beruf wir ergreifen, mit welchen Menschen wir uns verbunden fühlen, sogar wie wir uns kleiden und was wir essen. Wenn wir nicht entsprechend unseren Werten handeln, sind wir unzufrieden mit uns selbst oder tun Dinge, die wir womöglich später bereuen.“[1]

Eines kannst du doch über den Gutsbesitzer sagen: er ist verlässlich, er hat Pflichtgefühl und steht zu seinem Wort. Direktheit und Ehrlichkeit sind seinem Handeln abzulesen. Wenn du magst, kannst du ebenfalls im &-Minuten Verlag eine Liste von 160 (!) Werten finden, von denen einige sicher in deinem innersten Personenkern Wohnung genommen haben. Wenn du magst, kannst du – quasi anstelle des Gutsbesitzers – austesten, welche deine sind.[2]

» Was ist dir ein Wert,
und was ist er dir wert?«
Herkunft unbekannt

Werte, nicht Worte

Der Unterschied zwischen Werten und Worten ist vom Schreiben her nicht groß! Würde bei „Wert“ der kleine horizontale Mittelstrich des „e“ einknicken, wärest du schon beim „Wort“.. Dieses „Einknicken“ macht im Leben den Unterschied. Wenn unausgesprochene Werte „einknicken“, bleiben nur noch Worte und falsche Versprechungen. Der Gutsbesitzer im Evangelium knickt nicht ein! Er will seine Arbeiter darauf stoßen, es mit dem Blick nach außen und dem Vergleichen, dem Bewerten zu lassen. Er richtet ihnen den Blick nach innen, auf den Kern ihrer eigenen Persönlichkeit und auf die Frage, was für Menschen sie sein wollen. Die Antwort darauf hat ihre Wurzeln in ihren Werten, erst dann, wenn überhaupt, in den Worten.

Was für ein Glück, wenn Menschen aus ihren Werten handeln, wenn sie darin übereinstimmen oder sie einander an ihren Werten teilgeben. Das ist ein Werben für Wertvolles, nicht für all das Wertlose, was dir die Amplifon-Telefon-Werbung in netten Worten anbietet.

So viel für heute und für diese Woche.

Köln, 19.09.2026
Harald Klein

[1] vgl. [online] https://6minutenverlag.de/blogs/article/2-uebungen-zur-selbstreflexion-von-werten [19.09.2026]
[2] vgl. den 6-Minuten Werte-Test [online] https://6minutenverlag.de/pages/form-test [19.06.2026]