Warum das und nichts anderes? (in max. 1000 Zeichen)
Else Lasker-Schüler (1869-1945) ist schwer zu fassen. Ihr Leben glich einer Utopie. Oft trat sie öffentlich als Prinz Jussuf von Theben auf, ohne dass man sie als Transvestitin zu bezeichnen vermag. Ihre Freundschaften mit Dichtern und Malern wurden vielfach verurteilt. Für viele ein Enfant Terrible der deutschen Literatur, sah Gottfried Benn in ihr „die größte Lyrikerin, die Deutschland je hatte. Ihre Themen waren vielfach jüdisch, ihre Fantasie orientalisch, aber ihre Sprache war deutsch. Üppiges, prunkvolles, zartes Deutsch“.[1]
Der Kalender nennt „Hundstage“ die vier Wochen zwischen dem 23. Juli und dem 23 . August. Tage des puren Sommers, der brennenden Hitze, der Suche nach Abkühlung, Erfrischung und Ernte. All das, die Hitze des puren Sommers, die Hoffnung und Erinnerung an Erfrischung und Ernte nennt ihr Gedicht „Hundstage“.
Hundstage in ihrem Sinne – die können dir, die können mir im August aufgehen, aber ebenso im März oder im November.
Köln, 02.08.2026
Harald Klein
Else Lasker-Schüler – Hundstage
Ich will Deiner schweifenden Augen Ziel wissen
Und deiner flatternden Lippen Begehr,
Denn so ertrag‘ ich das Leben nicht mehr,
Von der Tollwut der Zweifel zerbissen.
…Wie friedvoll die Malvenblüten starben
Unter süssen Himmeln der Lenznacht –
Ich war noch ein Kind, als sie starben.
Hab so still in der Seele Gottes geruht –
Möcht‘ mich nun in rasendes Meer stürzen
Von schreiendem Herzblut!
aus: Lasker-Schüler, Else (1996):Werke und Briefe. Kritische Ausgabe. Bd. 1: Die Gedichte, Frankfurt/Main, 66.
[1] Benn, Gottfried (1952) Rede auf Elke Lasker-Schüler, vgl. Podcast „Jüdischen Leben in Deutschland (2) Else Lasker-Schüler“, 12‘08‘‘- 12‘30‘‘.