Erster Fastensonntag:
Auf Sicht fahren

  • Auf Links gedreht - Das Evangelium
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Aus dem heutigen Evangelium

„Wieder nahm ihn der Teufel. Mit sich auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm die Reiche der Welt mit ihrer Pracht  und sagte zu ihm: Da alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest. Da sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen.“
(Mt 4,8-10)

Ein wenig Tugend- und Lasterlehre

„Man muss nichts müssen: so lautet das Credo derer, die unbefangen sind. Sie wissen, dass alles, was wir müssen, eine Folge unseres Wünschens und Wollens ist. Deshalb kommt es vor allem darauf an, uns an diejenigen unserer Zwecke und Leidenschaften zu binden, an denen uns vor allem liegt, wobei es hilfreich ist, uns von einigen der Bindungen tragen und antreiben zu lassen, in denen wir ohnehin stehen. An gar nichts gebunden zu sein und trotzdem im eigenen Leben einen Sinn zu finden, das geht nicht; es geht wider die Natur einer jeden Kultur. Vor allem an eine Person oder Sache gebunden zu sein, das geht, aber es geht nicht gut; es zerstört den freien Blick auf die Welt. Wer nicht in vielem befangen ist, kann gar nicht unbefangen ein.“.“
aus: Seel, Martin (2012): 111 Tugenden, 111 Laster. Eine philosophische Revue, 3. Aufl., Frankfurt/Main, 27.

Vademecum durch die Fasten- und Osterzeit

auf sicht fahren
dich so verhalten so unterwegs sein
dass du innerhalb der übersehbaren strecke
jederzeit stehenbleiben wenden kannst
auf sicht handeln
die eigene absicht kennen – und die rücksicht auf andere wahren
die vorsicht walten lassen – dass du keine nachsicht fürchten musst
deine ansichten teilen – mit menschen die deiner weltsicht entsprechen
und keinem wenn – dann trauen
wenn ansicht und umsicht
dem auf sicht fahren widersprechen

Köln, 21.02.2026
Harald Klein