Fünfter Sonntag der Osterzeit: Weg ist man nicht, einen Weg geht man

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Aus dem heutigen Evangelium

Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe,
komme ich wieder und werde euch zu mir holen,
damit auch ihr dort seid, wo ich bin
Und wohin ich gehe – den Weg dorthin kennt ihr.
Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst.
Wie können wir dann den Weg kennen?
Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben;
niemand kommt zum Vater außer durch mich.
(Joh 14,3-6)

Das ganze Evangelium dieses Tages findest du hier – am Ende der Seite nach den beiden ersten Lesungen.

Ein wenig Tugend- und Lasterlehre

„.Gar keinen Stil zu haben, das geht nicht. Selbst die Spielarten menschlicher Verwahrlosung haben ihre kulturellen Trends. Auch diejenigen, die glauben, sie könnten sich aller Mode verweigern, haben nur die Wahl, entweder der von vorgestern zu folgen oder wider Willen eine eigene zu erfinden. [..] Stil in diesem Sinne hat, wer über eine gewisse, schwer zu definierende Lebensart verfügt, die uns als besonders stimmig erscheint.“
aus: Seel, Martin (2012): 111 Tugenden, 111 Laster. Eine philosophische Revue, Stichwort „Stil“, 3. Aufl., Frankfurt/Main, 79.

Vademecum durch die Fasten- und Osterzeit

wie geht’s
wie geht es dir
wie gehst du
drei fragen mit einem eigenen akzent
die eine im vorbeigehen gestellt
die zweite setzt zeit voraus und offenheit
die dritte fragt nach haltung und werten

den ziel-strebigen ist das wann und das wohin wichtig
den gelassenen das wie und der wert
den ziel-strebigen ist das nachgehen des weges wichtig
den gelassenen das nachgehen des wertes
die ziel-strebigen machen sich in der zukunft fest
die gelassenen in der gegenwart

wenn einer sagt er sei der weg
dann meint er hoffentlich
den weg der gelassenheit
der wert-voll ist durch seine werte
und so frei von ziehenden zielen
die er anstrebt
und doch bleib gelassen
deinn herz lasse sich nicht verwirren

um himmels willen
gehe deine wege immer von dort aus
wo du jetzt stehst
und nicht von dort aus
wo du erst ankommen musst
du könntest das beste am weg verlieren

weg ist man nicht
wege müssen gegangen werden werden
nicht überzeugungen sondern schritte
machen wege aus

deine dir stimmig scheinende lebensart
dein stil leben zu leben
werden deine schritte auf deinem weg lenken

du darfst gespannt sein
wer dir begegnen und
wer mit dir gehen wird
wenn du gehst
wie nur du gehst

Köln, 03.05.2026
Harald Klein