Aus dem heutigen Evangelium
Thomas, der Dídymus genannt wurde, einer der Zwölf,
war nicht bei ihnen, als Jesus kam.
Die anderen Jünger sagten zu ihm:
Wir haben den Herrn gesehen.
Er entgegnete ihnen:
Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe
und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel
und meine Hand nicht in seine Seite lege,
glaube ich nicht.
(Joh 20,24f)
Das ganze Evangelium dieses Tages findest du hier – am Ende der Seite nach den beiden ersten Lesungen.
Ein wenig Tugend- und Lasterlehre
„Ohne Vertrauen können wir weder in Sicherheit noch in Freiheit leben. Man muss anderen vertrauen, um ihr Vertrauen zu gewinnen. Man muss ihr Vertrauen gewinnen, um ihnen vertrauen zu können. Man muss anderen vertrauen können, um Vertrauen zu sich selbst zu gewinnen. Diese Wechselseitigkeit des Vertrauens, auf dem noch das einseitige beruht, macht seine ganze Wirksamkeit aus. Es ist nicht von selbst da. Man muss es entgegenbringen, damit es einem entgegenkommt. Um Vertrauen zu haben, muss man Vertrauen schenken. Das Geschäftsmodell allen Vertrauens ist der Vorschuss. Man kann es sich erst verdienen, wenn man schon davon zehrt. Im sozialen Verhältnis leben wir alle auf Kredit.“
aus: Seel, Martin (2012): 111 Tugenden, 111 Laster. Eine philosophische Revue, Stichwort „Vertrauen“, 3. Aufl., Frankfurt/Main, 189.
Vademecum durch die Fasten- und Osterzeit
auf kredit leben
hat einen hohen preis
du zahlst drauf
nur wenn der einsatz lohnt
gehst du mit gewinn nach hause
und umgekehrt ist
das gewähren eines vorschusses
auch ein risiko
du weißt nicht
ob oder wer oder wie
das einlösen aussieht
vertrauen auf kredit heißt
ich bitte dich
nimm mich an und mir ab
was ich dir sage
vertrauen auf vorschuss heißt
ich nehme dich an und dir ab
was du mir sagst
und dann legst du
den finger in die wunde
du warst nicht da und glaubst nicht
was geschehen ist was wir gesehen haben
und dann lege ich
den finger in die wunde
wenn ich nicht sehe spüre berühre
glaube ich nicht
vorbei ists
mit kredit und vorschuss
bei solchen verpassten gelegenheiten
musst du vertrauen entgegenbringen
damit es dir entgegenkommt
und um vertrauen zu haben
musst du es schenken
das geschäftsmodell des vertrauens
ist nicht der in die wunde gelegte finger
sondern der gewährte vorschuss und der angebotene kredit
im und aus vertrauen leben heißt
selig sind die nicht sehen und doch glauben – hoffen – lieben
oder anders
wer’s glaubt wird selig
Köln, 10.04.2026
Harald Klein