Aus dem heutigen Evangelium
Am Abend des ersten Tages der Woche,
als die Jünger aus Furcht vor den Juden
bei verschlossenen Türen beisammen waren,
kam Jesus,
trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen:
Friede sein mit euch!.
Nach diesen Worten
zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite.
Jesus sagte noch einmal: Friede sei mit euch!
Wie mich der Vater gesandt hat,
so sende ich euch.
(Joh 20,19-21)
Das ganze Evangelium dieses Tages findest du hier – am Ende der Seite nach den beiden ersten Lesungen.
Ein wenig Tugend- und Lasterlehre
„In einem starken Kontrast zu diesen partikularen Begriffen der Würde, seien sie älteren oder neueren Datums, steht derjenige der Menschenwürde. Sie kommt Menschen als Menschen zu: unabhängig von ihren Fähigkeiten und Verdiensten. Sie ist weder Tugend noch Laster. Sie wird allen Menschen ohne Ansehen ihres Charakters zuerkannt. Dieser Begriff der Würde benennt Grundbedingungen und Grundmöglichkeiten eines menschengerechten Lebens – eines Lebens, in dem Personen ihren spezifischen Bedürfnissen und Befähigungen gemäß ihren eigenen Vorstellungen nachgehen können. Die Wahrnehmung dieser Würde erkennt jedem Menschen den Anspruch auf ein Leben in Selbstachtung und Freiheit zu. So zu leben, macht die elementare Form – und mit ihr den elementaren Sinn – eines menschlichen Lebens aus. Sie kann auf unüberschaubar viele Weisen realisiert und verfehlt werden. Der Begriff der Menschenwürde enthält somit ein minimales Verständnis der Verfassung eines für Menschen guten Lebens.“
aus: Seel, Martin (2012): 111 Tugenden, 111 Laster. Eine philosophische Revue, 3. Aufl., Frankfurt/Main, 57f.
Vademecum durch die Fasten- und Osterzeit
du und ich
wir kennen die abende
und wir brauchen sie
für uns
in den abenden
wächst unsere
ganz eigene dreifaltigkeit
du und ich und wir
drei unterschiedene
und doch verbunden zu einem
die abende sind
des geistes zeit
was wirklich wichtig ist
kann nur am abend
gesagt werden
das was des geteilten wortes
ausgesprochen würdig ist
das was ausgesprochen
dich und mich
im menschsein wachsen lässt
menschsein nimmt seinen anfang am abend
im deuten dessen was war und was ist
im wort in ansprache und anspruch
wächst in der nacht
in stille und tiefe
und erhebt sich
eine spur würdiger
am neuen morgen
lass uns den abend immer wieder suchen
lass uns in geschützter zweisamkeit
um unseres friedens unserer würde
unserer liebe willen
den abend feiern
Köln, 22.05.2026
Harald Klein